Anamnese

Definitionsgemäß gibt es für die IPF als idiopathische Erkrankung nach derzeitigem Kenntnisstand keine bekannte Ursache. Letztlich ist die Diagnose IPF daher eine Ausschlussdiagnose, die die Klärung und den Ausschluss alternativer Krankheiten und Ursachen voraussetzt.

Grundlage dafür ist eine sorgfältige Anamnese in der IPF. Dabei ist das Sammeln möglichst umfangreicher Informationen, das Hinterfragen der Krankengeschichte und das „Lesen zwischen den Zeilen“ essentiell, denn oft liegen die Ursachen einer Lungenfibrose nicht auf der Hand.

 

Klinische Zeichen

Folgende klinische Zeichen deuten bei der Anamnese im Rahmen einer Ausschlussdiagnose auf eine IPF hin und können somit eine frühe Diagnose ermöglichen:

  • Langsam zunehmende Kurzatmigkeit (Dyspnoe) unter Belastung
  • Trockener, krampfartiger Reizhusten bei Belastung
  • Akute Exazerbation / anderes Akutereignis[13]Collard HR, Moore BB, Flaherty KR, et al. Acute exacerbations of idiopathic pulmonary fibrosis. Am J Respir Crit Care Med. 2007;176(7):636-643. doi:10.1164/rccm.200703-463PP.
  • Basal inspiratorisches Knisterrasseln bei der Auskultation der Lunge, ähnlich dem langsamen Öffnen eines Klettverschlusses (Hörbeispiele finden Sie hier)
  • Plötzlicher inspiratorischer Stopp der Atmung (Door Stop-Phänomen)
  • Bildung von sogenannten „Trommelschlegelfinger“ („Clubbing“)

 

Insbesondere (inhalative) Noxen, Medikamente und Systemerkrankungen können eine wichtige Rolle spielen. Antibiotika wie Nitrofurantoin, oft bei chronischen Harnwegsinfektionen eingesetzt, können beispielsweise ursächlich für eine Fibrose sein[5]Behr J, Günther A, Ammenwerth W, et al. [German guideline for diagnosis and management of idiopathic pulmonary fibrosis]. Pneumol Stuttg Ger. 2013;67(2):81-111. doi:10.1055/s-0032-1326009..

Wegen der morphologischen Ähnlichkeit mit der IPF muss eine exogen-allergische Alveolitis (EAA) ausgeschlossen werden. Oft ist das auslösende Agens der EAA jedoch nicht oder nur schwer und erst durch ein detailliertes Gespräch mit dem Patienten festzustellen[5]Behr J, Günther A, Ammenwerth W, et al. [German guideline for diagnosis and management of idiopathic pulmonary fibrosis]. Pneumol Stuttg Ger. 2013;67(2):81-111. doi:10.1055/s-0032-1326009..

Des Weiteren kann ein „Ekzem der Haut“ Ausdruck einer Vaskulitis sein.

Dem Beruf kommt eine große Bedeutung zu, denn Kontakt mit Asbest oder Stäuben kann Lungenfibrosen verursachen[5]Behr J, Günther A, Ammenwerth W, et al. [German guideline for diagnosis and management of idiopathic pulmonary fibrosis]. Pneumol Stuttg Ger. 2013;67(2):81-111. doi:10.1055/s-0032-1326009.. Die Asbestose ähnelt oft der IPF. Es sollte immer konkret nach Exposition während des gesamten Lebens und auch außerhalb des Berufs gefragt werden.

Bei älteren Menschen werden die Beschwerden oft als Altersbeschwerden fehldiagnostiziert. Daher wird die Diagnose IPF oft erst dann gestellt, wenn ein Großteil der Lunge bereits fibrotisch geschädigt ist.

Ein standardisiertes Vorgehen in der Anamnese der IPF, ggf. über einen Fragebogen, ist hilfreich und kann eine frühe Diagnosestellung unterstützen.

 

Relevante Themen und Details zur Abfrage bei der Anamnese